SOMMER-THEATERPROJEKTE

Wunderbare Projekte liegen hinter mir –

und jedes einzelne hat mir auf seine ganz besondere Art etwas geschenkt.

Das erste Theaterprojekt in diesem Sommer war „Gerüchte, Gerüchte“ im Tschumpus Brixen, wo ich in die Rolle des Bürgermeisterkandidaten Franco Corradini schlüpfen durfte.

Eine spannende Rolle, die viele Ängste verkörpert: die Angst, gesehen zu werden und dabei auf keinen Fall negativ aufzufallen, denn das könnte schließlich die eigene Kandidatur beeinflussen. Franco versucht, sich mit Äußerlichkeiten in den Mittelpunkt zu rücken – und sobald es brenzlig wird, macht er sich unsichtbar.

Ja, ich durfte viel von dieser Rolle lernen. ;)

Man sagt ja, jede Rolle hat auch etwas mit einem selbst zu tun. Natürlich habe ich mir deshalb viele Fragen gestellt – und dabei einiges bewusster wahrgenommen. Existenzängste, der Wunsch, geliebt zu werden, und die Angst vor Ohnmacht können Menschen dazu bringen, nach außen hin manchmal unverständlich zu handeln und zu wirken.

Danke, liebes THeaKOS-Team, für diese tolle Erfahrung im Tschumpus Brixen.

Ein besonderer Dank geht an unseren Regisseur Lukas Lobis, der mit seiner Art eine unglaublich angenehme und wertschätzende Probenatmosphäre geschaffen hat.

Und dann … mufa-Kids!

Danach folgten die erfolgreichen Theaterprojekte von mufa-Kids.

Den Anfang machte eine intensive Theaterwoche in Pfalzen, in meinem eigenen Workshopraum.

Der Zauberhut hat den Kindern bereits am ersten Tag neue Möglichkeiten geschenkt, sich selbst zu entwickeln, besser kennenzulernen und über sich hinauszuwachsen. Die Entwicklung, die innerhalb einer solchen Woche passiert, ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend.

Auch wenn das eine oder andere Elternteil anfangs vielleicht skeptisch ist, ob ein Theaterprojekt in nur einer Woche überhaupt realisierbar ist, werden viele spätestens bei der abschließenden Präsentation eines Besseren belehrt.

In unseren täglichen Schlussrunden höre ich von den Kindern immer wieder Worte wie:

Spaß. Toll. Aufregend. Spannend. Lustig.

Und genau das ist für mich die Grundlage von Lernen – vor allem von schnellem und nachhaltigem Lernen.

Ein Satz eines Kindes ist mir aus dieser Woche ganz besonders im Kopf geblieben:

„Hier lohnt es sich zu lernen, denn es macht Sinn – nicht so wie in der Schule.“

Erschreckend und gleichzeitig wunderschön.

Wie Vera Birkenbihl in ihren Vorträgen immer wieder betonte: Lernen braucht Sinn. Es braucht Freude, Spaß, ein sicheres Umfeld, ein Ziel und Vertrauen.

Nicht umsonst berichten mir Eltern immer wieder, dass sie es selten erleben, dass ihre Kinder so begeistert nach Hause kommen. Manche verschwinden sogar freiwillig in ihrem Zimmer – schließlich soll die Überraschung für die Abschlusspräsentation erhalten bleiben. ;)

Und währenddessen werden Texte, Lieder und Choreografien gelernt.

Für das Gehirn natürlich das beste Futter, das es bekommen kann.

Besonders berührt mich, wenn die Kinder morgens ohne Bedenken früh aufstehen und voller Vorfreude wieder in meinen Raum kommen, um gemeinsam mit ihren neu gewonnenen Freunden am Theaterstück zu arbeiten, kreativ zu sein, zu basteln, zu malen, zu singen, zu tanzen und einfach auszuprobieren.

Die Erinnerungen, die in einer solchen Woche entstehen, können ein Leben lang bleiben.

Zwei Wochen im Stadttheater Bruneck

Nach der intensiven Woche in Pfalzen, in der ich mit einer kleineren Gruppe noch individueller arbeiten konnte, folgte eine zweiwöchige Theaterwerkstatt mit 15 Kindern im Stadttheater Bruneck.

Bereits zum dritten Mal in Folge durfte ich den Sommerworkshop leiten und gemeinsam mit den Kids ein Theaterstück entwickeln – dieses Mal zum Thema Freundschaft und Mut.

Ich durfte zwei Wochen lang eine großartige Gruppe mit wunderbaren Kindern begleiten.

Auch hier war der Zauberhut wieder aktiv. Er hat die Kinder gefordert, gefördert und ihnen Raum gegeben, Neues auszuprobieren und über ihre eigenen Grenzen hinauszuwachsen.

Besonders gefreut hat mich am Ende eine Entwicklung, die zu Beginn gar nicht so selbstverständlich war: Die gegenseitige körperliche Nähe fiel einigen Kindern zunächst schwer. Eine Umarmung oder ein Händedruck waren ungewohnt.

Und dann, am Ende dieser zwei Wochen?

Kamen die Kinder zu meiner Assistentin Hannah und mir und überschütteten uns mit Umarmungen.

Eine unglaublich wertschätzende und berührende Energie lag in der Luft.

Und natürlich waren auch die stolzen Augen der Eltern nicht zu übersehen.

Und jetzt?

Die Bühne ist wieder leer.

Die Requisiten und Kostüme sind wieder an ihrem Platz und warten bereits auf das nächste Sommerprojekt Ende August in Pfalzen.

Die Vorbereitungen laufen – und ich freue mich schon jetzt auf mein nächstes Theaterabenteuer ende August

Was bleibt, sind Erinnerungen, Begegnungen, Entwicklung, Mut, Freundschaft, ganz viel Lachen und dieser besondere Zauber, der entsteht, wenn Menschen gemeinsam etwas erschaffen.

Danke. Danke. Danke!

Danke an die Kinder.
Danke an die Eltern.
Danke an das Stadttheater-Team Bruneck.
Danke an das THeaKOS-Team.
Danke an Arnold Ritter von Fccus Design für die Fotos von dem Projekt „Gerüchte Gerüchte“
Und danke an all meine unsichtbaren, stillen Helfer, die mich im Hintergrund so großartig unterstützen.

Ohne euch alle wäre dieser Zauber nicht möglich. ❤️

Fabian Mutschlechner

Der gebürtige Südtiroler schloss seine Ausbildung zum Bühnendarsteller in Hamburg ab und lebt seitdem in der Hansestadt. Sein großes Debüt feierte er im Sommer 2017 in Magdeburg mit der Titelrolle in Shakespeares „Hamlet“. Seitdem war er in vielen weiteren Bühnen- und Film-Produktionen zu sehen. So spielte er unter anderem den Conferencier in "Moulin Rouge", den Franz Moor in "Die Räuber", den Bradly Foster in der Oper "Lessons in Love and Violence" an der Hamburger Staatsoper und den Rüdiger in dem Krimi "Umstellt" - um nur einige zu nennen.

https://www.fabianmutschlechner.com/
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