TOC TOC - Es wird geprobt!
Am 23. Oktober heißt es Vorhang auf für die Theaterwerkstatt Innichen!
Bis dahin ist es allerdings noch ein gutes Stück Arbeit. Wobei „Arbeit“ vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist – denn wenn sechs Patienten, eine Assistentin und ein Arzt, der einfach nicht auftauchen will, zusammenkommen, kann eine Probe schon einmal ziemlich… sagen wir: unterhaltsam werden.
Ich darf in diesem Jahr die Regie übernehmen und beschäftige mich bereits seit dem Frühjahr intensiv mit dem Stück. Seit Monaten wird gelesen, übersetzt, gedacht, verworfen, neu gedacht und natürlich auch sehr viel gelacht.
Auf dem Spielplan steht „Toc Toc“ von Laurent Baffie – eine Komödie, die auf den ersten Blick vor allem eines verspricht: jede Menge Lacher. Dahinter steckt aber ein durchaus sensibles Thema.
Sechs Menschen. Ein Wartezimmer. Ein Arzt, der nicht kommt.
Die Geschichte beginnt eigentlich ganz harmlos.
Sechs Menschen haben einen Termin bei Dr. Stern, einem international bekannten Spezialisten. Er soll derjenige sein, der ihnen helfen kann. Und angeblich soll dafür sogar eine einzige Sitzung reichen.
Das Problem?
Dr. Stern ist nicht da.
Er sitzt am Flughafen fest und lässt seine Patienten warten.
Und warten.
Und warten…
Zum Glück gibt es die Assistentin von Dr. Stern, die immer wieder nach dem Rechten sieht – und vor allem eine wichtige Nachricht zu überbringen hat:
Der Doktor kommt noch nicht.
Wann er denn nun endlich kommt? Das weiß offenbar niemand so genau.
Während die Assistentin immer wieder vertröstet und die sechs Patienten im Wartezimmer ausharren, lernen sich diese zwangsläufig immer besser kennen. Und genau hier beginnt das eigentliche Abenteuer.
Denn wenn sechs Menschen mit ganz unterschiedlichen Eigenheiten, Ängsten und Zwängen gemeinsam warten müssen, wird aus einem gewöhnlichen Wartezimmer ziemlich schnell ein ganz besonderer Ort.
Was daraus entsteht, verrate ich an dieser Stelle lieber nicht.
Nur so viel: Für sechs Menschen, die eigentlich auf professionelle Hilfe warten, wird das Wartezimmer erstaunlich schnell selbst zum Ort der Therapie.
Und die Assistentin? Sie hat alle Hände voll zu tun.
Ein sensibles Thema mit viel Humor
„Toc Toc“ beschäftigt sich mit Zwangsstörungen, Phobien und anderen psychischen Belastungen. Laurent Baffie gelingt dabei eine besondere Gratwanderung: Die Figuren und ihre Zwänge liefern jede Menge Situationskomik, gleichzeitig bleiben es Menschen mit ihren Ängsten, Unsicherheiten und ihrer ganz eigenen Geschichte.
Für uns bedeutet das in den Proben vor allem eines: Wir müssen genau hinschauen.
Wir möchten die Erkrankungen und Zwänge der Figuren mit der nötigen Sensibilität darstellen und gleichzeitig die Komik des Stückes nicht verlieren. Denn „Toc Toc“ möchte zum Lachen bringen – aber nicht auf Kosten der Menschen, die diese Probleme haben.
Diese Balance ist für die Darstellerinnen und Darsteller eine spannende Herausforderung.
Wenn aus Text plötzlich Leben wird
Seit Ende August ist unser Ensemble vollständig. Mit der ersten Lese- und Konzeptionsprobe begann damit auch die eigentliche gemeinsame Reise.
Mittlerweile sind wir mitten in den Proben – und dabei zeigt sich immer mehr, was in diesem Stück steckt.
Meine Aufgabe als Regisseur ist es, das, was Laurent Baffie geschrieben hat, möglichst authentisch auf die Bühne zu bringen. Gleichzeitig muss die Situationskomik funktionieren. Das bedeutet: Tempo, Rhythmus, Timing und vor allem das richtige Gespür für den Moment.
Denn bei einer Komödie ist eine Sekunde manchmal der Unterschied zwischen einem kleinen Schmunzler und einem großen Lacher.
Und wenn dann sechs Figuren mit ihren ganz eigenen Vorstellungen, Zwängen und Macken aufeinandertreffen, kann man sich vorstellen, dass es im Probenraum nicht immer ganz ruhig zugeht.
Ganz ehrlich: Ein bisschen verrückt muss man für dieses Stück wahrscheinlich selbst sein.
Besonders freue ich mich, dieses Stück gemeinsam mit der Theaterwerkstatt Innichen auf die Bühne zu bringen.
Die Theaterwerkstatt ist eine bekannte Theatergruppe im Pustertal und steht seit vielen Jahren für engagierte Theaterarbeit. Das Ensemble hat bereits mit verschiedenen namhaften Regisseuren gearbeitet und bringt entsprechend viel Erfahrung und Leidenschaft mit.
Für mich ist es deshalb eine spannende Zusammenarbeit.
Und wie bei jedem guten Theaterstück merkt man spätestens bei den Proben: Auf dem Papier kann eine Geschichte noch so gut funktionieren – erst gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern beginnt sie wirklich zu leben.
Genau das passiert gerade.
Der Countdown läuft
Bis zum 23. Oktober bleibt noch einiges zu tun. Szenen werden immer wieder probiert, verändert und verfeinert. Bewegungen müssen sitzen, Übergänge funktionieren, das Timing muss stimmen – und irgendwann muss natürlich auch der Regisseur aufhören zu sagen:
„Das probieren wir noch einmal.“
Wobei… ganz versprechen kann ich das nicht.
Was das Publikum am Ende erwartet?
Eine ungewöhnliche Wartezeit, sechs besondere Patienten, eine geduldige – oder vielleicht nicht ganz so geduldige – Assistentin, jede Menge Situationskomik und eine Geschichte, die vielleicht mehr über uns alle erzählt, als man zunächst vermuten würde.
Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.
Denn schließlich soll das Publikum am 23. Oktober selbst erleben, was passiert, wenn sechs Menschen mit ihren ganz persönlichen „Tocs“ aufeinandertreffen, die Assistentin immer wieder eine neue Nachricht bringt – und der Arzt einfach nicht kommt.
Also: Vorhang auf für „Toc Toc“ – und herzlich willkommen im Wartezimmer.
Nur eines sollten Sie vielleicht vorher wissen:
Geduld ist dort nicht unbedingt die größte Stärke.
Ein DANKESCHÖN an Maria Neumann für die tollen Bilder!